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Personen-Info: Peter Blaise (1795-1858)


Peter Blaise (heutige Schreibweise: Blaes oder Bläs) wurde am 25.12.1795 in Ensheim als Sohn des Dosenmachers Heinrich Blaise und seiner Frau Anna Maria Blasius geboren. Über seine Kindheit und Jugend sowie seine Schulbildung ist nichts bekannt. Wir können aber davon ausgehen, dass der junge Peter ab 1801 oder 1802 etwa sechs Jahre lang die Dorfschule in Ensheim besucht hat, die sich damals in der Schulstraße im »Kirche Eck« befand und von dem in Ensheim gebürtigen Schulmeister Peter Klein (1771-1826; Lehrer in Ensheim von 1788-1812) unterrichtet wurde. Danach ist er wahrscheinlich auf die Lateinschule in Blieskastel gewechselt und von hier zum Priesterseminar nach Trier gelangt. Wir müssen davon ausgehen, dass vor allem in der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon zwischen 1813 und 1815 der Schulbetrieb in den französisch besetzten linksrheinischen Gebieten praktisch zum Erliegen gekommen war. Der Besuch des Priesterseminars in Trier ist nicht hundertprozentig gesichert, aber höchstwahrscheinlich, denn die Pfarrei Ensheim war anno 1802 im Zuge der napoleonischen Umwälzungen vom früheren Bistum Metz zum Bistum Trier gekommen, und seine Mutter stammte aus Schweich bei Trier, wodurch er enge Verwandte in der Nähe des Seminars hatte.

Peter Blaise war bereits fast 25 Jahre alt, als er am 8. September 1820 in Köln zum Priester geweiht wurde. Anschließend wurde er vom Trierer Generalvikariat zunächst für zwei Wochen in der großen katholischen Gemeinde in St. Johann bei Saarbrücken als Administrator eingesetzt. Noch im September desselben Jahres wurde er zum Pfarrer vom Ommersheim bestellt - eine Stelle, die ihn aber offenbar nicht befriedigte. Schon 1825 versuchte er vergebens, nach Speyer an die vakante Domvicarie zu gelangen, um seinem Weiterbildungsdrang Raum zu geben. Noch im selben Jahr bewarb er sich um die Pfarrei Rheinzabern im südpfälzischen "Landcommissariat" (Landkreis) Germersheim, auch dies ohne Erfolg. Seinen vorgesetzten Dekan bombardierte er regelrecht mit der Bitte um Ausstellung von Zeugnissen, um sich immer aufs Neue bewerben zu können. 1830 wurde er tatsächlich nach Blieskastel versetzt, das seit 1822 zum Bistum Speyer gehörte.

Obwohl er sogar zum katholischen Bezirksschulinspektor ernannt wurde und damit die Schulaufsicht im Bezirk Zweibrücken übernommen hatte, gab es schon bald Beschwerden über ihn, die hauptsächlich seinen Lebenswandel betrafen: "Allein in besagter Zeit besuchte er das Haus eines Wirtes mit mehreren erwachsenen Töchtern."

Dieser Vorwurf lässt uns heute schmunzeln, war aber damals offenbar ein absolutes "No-Go" für einen Geistlichen. Von dieser Zeit an intensivierte sich die Korrespondenz mit dem Bischöflichen Ordinariat in Speyer, was in einer stattlichen Personalakte von weit über 200 Seiten dokumentiert ist. Ab 1835 wehrte er sich bis zu seinem Tode regelmäßig, zu den Examina wegen der Verlängerung der Approbation nach Speyer reisen zu müssen, denn eine Reise mit der Postkutsche nach Speyer dauerte damals mehrere Tage - und er kam damit bei seinem Oberhirten erstaunlicherweise immer durch. Als die Beschwerden über ihn zunahmen, versetzte ihn der Bischof 1837 kurzerhand nach Ormesheim, dessen katholische Pfarrei er bis zu seinem Tod inne hatte.

   
Deckel der Personalakte von Pfarrer Blaise (Bistumsarchiv Speyer)  Unterschrift von Pfarrer Blaise (Bistumsarchiv Speyer) 

Wer sich durch die ausführliche Personalakte von Pfarrer Blaise durcharbeitet, entdeckt einen Menschen, der eigentlich nicht berufen war, die Ensheimer ob ihres Lebenswandels zu kritisieren, sondern der sich zunächst an die eigene Nase hätte fassen müssen. Vor allem präsentiert er sich als Meister der Ausreden und Lügen - und dies, wohlgemerkt, als Kirchenmann. Eines allerdings enthält die umfangreiche Personalakte nicht: irgendeinen Hinweis auf das hier teilweise präsentierte Gedicht nämlich. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wurde dieses Gedicht damals gar nicht öffentlich gemacht, geschweige denn publiziert, denn es hätte sicher hohe Wellen geschlagen, vor allem unter den kritisierten Ensheimern. Aber es hat wohl damals in wenigen Abschriften die Runde unter den einflussreichen Bürgern gemacht, denn im Familiennachlass der Gebr. Adt findet sich ein Exemplar (Landesarchiv SB, Sign. FLN.Adt 65].

Pfarrer Blaise starb am 14. Mai 1858 in Ormesheim. An seiner Besetzung nahmen alle Pfarrer der Umgebung und viele Gläubige aus Ensheim teil.

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Last update: 03.09.2019            © Paul Glass 1997 ff