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2.3.3 Ensheim unter gemeinschaftlicher Verwaltung durch das Kaiserreich Österreich und das Königreich Bayern (1814 - 1815/16)


Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19.10.1813) wurde der französische Kaiser endgültig zum Gejagten, den das jahrelange Kriegsglück scheinbar verlassen hatte. Außerdem verließen ihn nach und nach seine Verbündeten (vor allem aus dem »Rheinbund«) und schlossen sich dem von Preußen initiierten Bündnis gegen Frankreich an. Schon einige Monate vorher hatten die Österreicher Napoleon die Unterstützung aufgekündigt, mit Russland einen Waffenstillstand geschlossen und sich bald darauf dem preußisch-russischen Bündnis gegen Frankreich angeschlossen. Nur die opportunistischen Bayern zögerten noch monatelang und ließen sich vor dem Seitenwechsel (Kriegserklärung an Frankreich am 14.10.1813) noch von Österreich (im Vertrag von Ried am 08.10.1813) zusichern, dass sie keine territorialen Einbußen hinnehmen müssten, wenn sie jetzt mit dem französischen Kaiser brechen.

Bereits im Dezember desselben Jahres sammelten sich die Truppen der antinapoleonischen Koalition östlich des Rheins, überschritten am Neujahrstag 1814 erstmals den Rhein bei Kaub und drangen mit Macht nach Paris.

Nach mehreren Schlachten im Frühjahr 1814, wobei sich Napoleon immer mehr in Richtung französische Hauptstadt zurückgezogen hatte, war es dann soweit: Koalitionstruppen besetzten Ende März 1814 Paris, das Symbol der napoleonischen Macht. Angesichts dieser Entwicklung blieb Napoleon nichts anderes übrig, als abzudanken und auf den französischen Thron zu verzichten. Schon einige Monate vorher hatten sich seine Gegner darauf verständigt, in Frankreich wieder die Bourbonenherrschaft zu installieren.

Nach der Abdankung Napoleons übernahmen die beiden Kriegsgewinnler Österreich und Bayern die provisorische Verwaltung des linken Rheinufers. Zu diesem Zweck wurde die »k. k. österreichische und k. baierische gemeinschaftliche Landesadministrationscommission« eingerichtet, zunächst mit Sitz in Kreuznach, wenig später dann in Worms. Grundlage für diese Maßnahme war die Pariser Ministerkonferenz vom 31. Mai 1814 sowie eine entsprechende Konvention zwischen Österreich und Bayern vom 3. Juni 1814.

In der Wiener Kongreßakte, die die vorrevolutionären Verhältnisse in etwa wiederherstellen sollte (aber ohne Rücknahme des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803) bekam Österreich die linksrheinischen Gebiete zusammen mit Preußen zugesprochen. Allerdings war Österreich am Gebiet links des Rheins nur mäßig interessiert und sah darin eher eine wichtige Tauschmasse für die Rückgewinnung von Gebieten, die es ein paar Jahre zuvor auf Druck Napoleons an Bayern hatte abtreten müssen: Salzburg, das Inn- und Hausruckviertel.

Bayern wiederum hätte lieber diese Gebiete behalten, zumal sie sein Staatsgebiet arrondierten. Nur unter dem Druck der Großmächte Preußen, Großbritannien und Rußland erklärte sich Bayern zum Gebietstausch bereit und übernahm von Österreich die von der gemeinschaftlichen Kommission verwalteten pfälzischen Gebiete. Allerdings bekam es nicht wie erhofft eine Landverbindung zwischen Altbayern und der Pfalz über die rechtsrheinische Kurpfalz.

Dennoch hatten die Bayern, wie sich schon bald herausstellte, mit der linksrheinischen Pfalz ein gutes Geschäft gemacht, vor allem wegen der umfangreichen Kohlenfunde bei St. Ingbert.

Bayern zwischen 1815 und 1918 (Rheinpfalz siehe Pfeil)


Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Befreiungskriege
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaisertum_Österreich#Von_Napoleon_bis_zum_Wiener_Kongress
https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Ried
http://www.hdbg.de/napoleon/
Ein Dankeschön an Günter Ofner, Wien für den frdl. Hinweis vom 03.02.2021 auf eine fehlerhafte Textpassage.

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